Conditions Serie

Darko Caramello Nikolics erste Arbeiten an Flächenaufteilung begannen mit der Conditons Serie. Mit der Idee „Flächen gleichwertiger Kräfte“ zu schaffen, stieß er auf die Verwandschaft zu den Konzepten des Konditionalismus.

„…die Ursache eines Dinges ist die volle Summe seiner Bedingungen.“ – John Stuart Mill
„…jedes Geschehen sei nicht verursacht, sondern lediglich durch die Gesamtheit unendlich vieler, gleichwertiger Bedingungen bedingt.“
Max Verworn

Die Flächenaufteilungen der Conditions Serie von Darko C. Nikolic sind jedoch nicht nur gemalte Analogien zur Theorie des Konditionalismus. Sie führen diesen Gedanken weiter. Einer Momentaufnahme gleichend, wird gezeigt, dass ein Ding oder ein Geschehen nicht ausschließlich durch das Wirken und Einwirken von außen in seinen Zustand gebracht wird, sondern zugleich selbst die Bedingung für den Zustand seiner Erzeuger/Verursacher ist. Somit stehen alle Phänomene in wechselseitiger Abhängigkeit zueinander.

Auf die Bildmuster übertragen lässt sich dies folgendermaßen formulieren: Eine bestimmte Fläche erhält ihre Form durch die Vorgaben der benachbarten Flächen. Gleichzeitig wirkt diese Fläche jedoch auch umgekehrt und beeinflusst so ihre Nachbarflächen bezüglich ihrer Formgebung. Diesem Ansatz entsprechend begeben sich Ursache und Wirkung in ihrer Kraft auf ein gleiches Niveau. Des einen Ursache ist des anderen Wirkung und umgekehrt.

Die erste Herausforderung bei der Aufteilung einer Fläche in energetisch gleichwertige Formen, lag darin, keine Fläche als Rest einer anderen stehen zu.Der positive wie negative Raum sollten von gleichwertig ausgeprägtem Charakter sein.
Dieser ganzheitliche Ansatz energetischer Bedingungen fanszinierte den Künstler nicht zuletzt durch das Wiederfinden dieser universellen Regeln im lebensnahen Kontext, welcher hinsichtlich der Wirkung der Bilder wiederum bedeutsam wird.

Das Kunstwerk als Erkenntnis-Vehikel im kontemplativen Raum
In der Lebenswirklichkeit finden alle Formen ihre Entsprechung.
Das Betrachten dieser Werke in einem Zustand von kontemplativer Konzetration, kombiniertert mit einem, wie auch immer gearteten Thema, ermöglicht frische Herangehensweisen – an sich selbst und die Welt. Selbst Flächen, welche nur wie Reste einer anderen Fläche, oder Hintergundflächen erscheinen, finden in der Realität ihre Entsprechung in einem tieferen Verständnis unserer Umwelt.

Ein Beispiel:
Eine Gruppe von Menschen. Der jeweiligen Konstellation entsprechen können die Individuen ihre Energien entfalten, oder sie werden blockiert. Manche wirken womöglich nur als Bühne der anderen Person, die sich vor ihrem Hintergrund entfaltet. .
In einem Werk der Conditions Serie ließe sich das in etwa wie folgt beschreiben: Eine Form kann sich in ihrer Wirkung nur entfalten, solange die benachbarte Form ihr diese Wirkung gestattet. Verändert sich dann eine Fläche, so nimmt die Veränderung Einfluss auf die benachbarte Form und verändert damit das energetische Gesamtgefüge. Eine alleinige Veränderung ohne Auswirkung auf das Gesamte kann nicht geschehen.

In lebensweltlichem Kontext wird diese Thematik in der Betrachtung von sozialen Strukturen mit einem festen sozialen Gefüge, welches die Transfomation des Einzelnen häufig erschwert, aufschlussreich. Solang das Umfeld starr bleibt, ist die individuelle Beweglichkeit erschwert.

Bei der kontemplativen Betrachtung der sich ineinander schaltenden Flächen, bekommen diese, abhängig von der Beachtung der Zusammenhänge, Lebendigkeit. Wer sich bei der Betrachtung der Werke einem inneren Thema nähert, wird schnell merken, dass sie nicht nur eine Konzentrationshilfe bieten, sondern sich auch die eigene Lebenswelt in ihnen wiederfinden lässt.

Emphsasis of borders
Im weiteren Verlauf der Arbeiten greift dcnikoic ein weiteres Thema in diesen Bereich auf: die Gewichtung von Grenzen: Emphasis of Borders.
Hier beschäftigt er sich mit der Frage, was die Trennungen von Energien bedeuten und ab wann eine Grenze, die zunächst nur teilt, ein eigener Umstand wird.

Grafisch gesprochen, stellt sich dann die Frage, ab wann eine Linie zur Fläche wird, welche sich selbst die entsprechenden Energien zugesteht. In einem weltlichen Kontext, bleibt es fraglich, ab wann die bloße Unterscheidung zweier Völker, ihre Abgrenzung voneinander, eine stärkere Energie bildet, als das Volk selbst. Oder ab wann die Trennung von zwei Menschen, der Einschnitt in ihrer sozialen Beziehung, bedeutungsvoller wird, als ihr einenander verbindender Ursprung.